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Ich habe diese Rubrik hier eingeführt um technische Dinge zuerklären oder zu besprechen, bei denen ich fand, dass sie nicht richtig in andere Unterpunkte passen.

Beginnen möchte ich mit der Steuerkette und ein paar Details dazu, die interessant sein könnten.

Die Steuerkette


Die A-Serie-Motoren wie sie auch im Mini eingebaut sind treiben von der Kurbelwelle normalerweise über eine Kette die Nockenwelle an. Auf einer Seite hier ist beschrieben, wie von einer Steuerkette auf einen TRIGER-Riemenantrieb umgerüstet wurde, aber die Steuerkette ist eben der Standard-Antrieb in diesen Motoren.

Die einfachen Modelle, seltsamerweise waren die ersten Modelle vom 1275GT damit ausgerüstet, ist eine einfache Steuerkette (Simplex) eingebaut, d.h. eine einzige Reihe von Kettengliedern. Ab 1974 wurden 1275GT-Motoren auch mit doppelter Steuerkette ausgeliefert. Die leistungsstärkeren Cooper-S-Modelle hatten durch die Bank eine doppelte Kette montiert (Duplex). Hier liegen zwei Kettenglieder nebeneinander. Die doppelten Steuerketten können mehr Drehmoment übertragen, sind allerdings schwerer (haben auch ein höheres Massenmoment bei Rotation) und benötigen mehr Platz im Steuergehäuse.

Das treibende Kettenrad, also das auf der Kurbelwelle, hat zwanzig Zähne, während das getriebene Nockenwellenrad vierzig Zähne hat. Das ist auch natürlich, weil die Nockenwelle in der halben Kurbelwellendrehzahl dreht. Das Übersetzungverhältnis i ist also gleich 2.

Zur Verbindung dieser Kettenräder wird eine Kette mit 52 Gliedern benötigt, die 26 innere und 26 äußere Glieder besitzt, unabhängig davon, ob es eine Simplex- oder Duplexkette ist.

Die Maße aller Ketten sind genormt. Es gibt zwei Normungen auf der Welt für Ketten, und das sind die europäische Bauart nach DIN8187 in einfach, zweifach und dreifach Rollenketten.

Die andere Norm ist die US-amerikanische ASME-ANSI (American Society of Mechanical Engineers, bzw. American National Standards Institure). Diese Norm geht bis zu 5-fach Rollenketten.

Für den Mini kommen die DIN8187-Rollenketten mit der Bezeichnung B6-1 für die Simplex-Kette und die B6-2 für die Duplex-Kette in Frage. B6 sind die Maße und -1 eine Simplex-Kette. Es muss Typ E sein, denn die haben gerade Laschen.

Obwohl die Daten im Normenblatt in Millimeter angegeben werden, sind interessanterweise einige metrische Daten von zölligen Maßen abgeleitet. So z.B. ist der Abstand der Rollen (Teilung) 9,525 mm was ziemlich genau ⅜ Zoll entspricht, oder der Durchmesser der Rollen selbst mit 6,35 mm = ¼ Zoll.

Nun aber zu der Frage, welche Marke man nehmen soll. Es gibt viele gute Markenhersteller von Rollenketten. RUD sind bei Motorradketten weltbekannt. Serienausrüster für die Minis war der Hersteller Renold. In den Mini-Foren ließt man oft die Marke IWIS, die die besten sein sollen. Nun, hier muss man sagen, dass selbst IWIS Ketten in verschiedenen Qualitätsstufen anbietet: JWIS (mit ‹J› geschrieben), ELITE, EUROCHAIN und ecoplus. Die Serie JWIS hat wohl die höchsten Qualitätstandards etc. Was ich so recherchiert habe, behauptet jeder Hersteller die besten Ketten der Welt zu produzieren.

JWIS-Ketten fertig konfektioniert für die Länge in den Mini-Motoren kosten ziemlich viel Geld, da sie offenbar nicht in den einschlägigen Katalogen enthalten sind und somit sozusagen Sonderanfertigungen sind. Unkonfektionierte Ketten, d.h. Meterware, sind dagegen viel preiswerter zu erhalten, auch in der höchsten Qualitätsstufe. Warum also nicht selber konfektionieren und Meterware auf die benötigte Länge kürzen? Minispares in London bietet sogar Steuerketten mit Kettenschloss an. Warum soll eine Kette mit Kettenschloss (offiziell heißen diese Teile «Verbindungsstücke») nicht die gleichen Lasten aushalten als ohne, wenn das Verbindungsstück und vor allem die Haltefeder richtig montiert wird?

Bilder sagen mehr als tausend Worte, sagt man, und deshalb stelle ich hier eine Fotostrecke vor, in der die Einzeltätigkeiten abfolgen.

Ich habe mir verschiedene Kettenwerkzeuge beschafft, die aber für die Erledigung der Arbeit keinesfalls notwendig sind, denn es reicht eine Feile und ein Hammer mit einem Austreibdorn um die Kette zunächst einmal von der Meterware zu trennen. Immer darauf achten, dass 26 Innenglieder abgezählt werden müssen, denn das Verbindungsglied (Kettenschloss) ist immer ein Außenglied.

Verschiedene Kettenwerkzeuge:

Eins von JWIS selbst, links, und dann ein kompletter Satz von Ebay:


Das 26. Außenglied muss entferntwerden. Hier mit dem Spezialwerkzeug. Da die Stifte der Kette genietet sind, oder besser, an beiden Seiten gestaucht sind, damit sie halten, empfiehlt es sich, diese Stauchung an einem Ende weg zu schleifen oder zu feilen, damit der Sift herausgedrückt werden kann ohne die Bohrungen im Innenglied zu beschädigen.



Danach muss man zwei Enden mit Innengliedern haben, und zwar 26 Stück an Anzahl, was bedeutet, dass es 25 Außenglieder gibt. Wenn an einem Ende noch ein Außenglied sein sollte, muss es auch abgetrennt werden, aber dabei immer Anzahl 26 für Innenglieder beibehalten. Die beiden Innenglieder an den jeweiligen Enden müssen nun mit dem Verbindungsstück zusammegesteckt werden.

Das Verbindugsstück besteht bei Duplexketten aus vier Teilen:

  • Außenglied mit zwei Stiften

  • ein Innenglied (entfällt bei Simplex)

  • ein Außenglied

  • Stahlfeder




Die Stifte haben jeweils eine Nut, in die die Feder passt. Die Stahlfeder muss so montiert werden, dass die Öffnung entgegen der Drehrichtung der Kette plaziert ist, also das geschlossene Ende in Drehrichtung. Fast alle Motoren drehen links herum, wenn man von der Kupplungsseite auf die Steuerseite schaut. Wenn man also beim Serie-A-Motor auf die Steuerseite schaut drehen die Räder rechts herum, und so muss dann auch die Feder mit der geschlossenen Seite in diese Richtung eingebaut werden.

Wenn alles richtig gemacht wurde, kann einem Einbau nichts mehr im Wege stehen.



Große Alu-Riemenscheibe selbst gemacht


Durch den Brexit sind Teile aus Großbritannien sehr teuer geworden, und der Versand ist verkompliziert worden. Warum dann nicht auf Rohteile aus der EU nachdenken und es selbst machen, wenn die Möglichkeit dazu besteht.

Hier nun eine große Riemenscheibe aus Aluminium ähnlich wie sie z.B. bei Minispares angeboten wird.

Hier das Originalteil:


Es wird mit 5 Zoll Durchmesser angeboten, was ungefähr 125mm entspricht.

Im Internet war mir auf der Seite des Lieferanten Mädler aufgefallen, dass dort Rohlinge von Riemenscheiben in verschiedenen Durchmessern angeboten werden. Scheiben von 125mm sind auch dabei. Ich habe mir davon ein paar schicken lassen und dann auf der Drehbank bearbeitet.

Hier ein Rohling von beiden Seiten:


Man sieht, dass der Kern nicht aus Aluminium, sonder aus Stahl besteht, was aber kein Nachteil ist. Die Mittelbohrung muss ohnehin auf 15mm aufgebohrt werden, damit sie auf die Welle des Lucas-Drehstromgenerators passt.

Hier das Ergebnis nach der Bearbeitung:


Acht Bohrungen um den Mittelpunkt sind leichter anzuzeichnen als die sechs Bohrungen des Minispares-Teils. Große Kräfte wirken nicht auf die Scheibe, weshalb sie auch so gut erleichtert werden kann.

Zum Abschluss noch wuchten:


Fertig ist die Alu-Riemenscheibe und leichter ist sie auch noch. Die Minispares-Scheibe wiegt 311g. Der Rohling von Mädler bringt 539g auf die Waage, während die bearbeitete Scheibe nur noch um die 245g wiegt trotz des Kerns aus Stahl. Die Gewichtsreduzierung ist allgemein nicht von viel Nutzen aber bei drehenden Teilen wird das geringere Massenmoment (Masse multipliziert mit dem Quadrat des Abstands zur Drehachse) durch das geringere Gewicht verbessert.


Frage: Warum setzt man eine große Riemenscheibe ein?

Im Normalfall liefert ein Drehstromgenerator auch bei niedrigen Drehzahlen eine ausreichende Spannungsversorgung für das Fahrzeug. Im Rennbetrieb werden grundsätzlich sehr viel höhere Motor-Drehzahlen gefahren als das auf der Straße der Fall ist. Da die Riemenscheibe der Kurbelwelle über den Keilriemen neben der Wasserpumpe auch den Generator antreibt, wird dieser auch mit wesentlich höheren Drehzahlen beaufschlagt. Das ist unnötig, denn die höheren Drehzahlen beanspruchen die Lager etc. unnötig über den normalen Betrieb, für den der Generator ausgelegt ist. Die größere Riemenscheibe setzt die Drehzahl des Generators herab, was nur von Vorteil sein kann.



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